sevengardens Bochum: Ausgezeichnete Bildung für nachhaltige Entwicklung und Integration durch Färberpflanzen

sevengardens Bochum: Ausgezeichnete Bildung für nachhaltige Entwicklung und Integration durch Färberpflanzen

Die Gestaltung einer inklusiven Gesellschaft und der Schutz ökologischer Ressourcen gehören zu den drängendsten Aufgaben moderner Kommunal- und Personalarbeit. Das Projekt sevengardens Bochum liefert hierfür einen innovativen Ansatz: Durch die Arbeit mit Färberpflanzen verknüpft das Kommunale Integrationszentrum (KI) der Stadt Bochum ökologische Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit dem Ziel der sozialen Teilhabe. Im Januar 2024 erhielt die Initiative die Nationale Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung, was die Relevanz des Modells unterstreicht. Doch wie gelingt es, über das gemeinsame Herstellen von Pflanzenfarben Sprachbarrieren zu überwinden und gleichzeitig ein Bewusstsein für globale Nachhaltigkeit zu schaffen? Dieser Artikel analysiert die Erfolgsfaktoren von sevengardens Bochum, beleuchtet das Konzept der *Dialogerinnen** und zeigt auf, warum dieser interdisziplinäre Ansatz als Vorbild für gelungene Integrationsarbeit und lebenslanges Lernen in einer vielfältigen Gesellschaft dienen kann.

Die Methodik der Färberpflanzen: Ein kreativer Weg zur Integration

Die praktische Arbeit mit Färberpflanzen nutzt einen niederschwelligen, ästhetischen Zugang, um Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenswelten zusammenzuführen. Im Zentrum steht die Gewinnung von Farbpigmenten aus natürlichen Rohstoffen wie Reseda, Krapp, Waid oder Tagetes. Dieser Prozess ist hochgradig handlungsorientiert: Das Zerreiben von Pflanzenteilen, das Mischen mit Bindemitteln und das anschließende Malen oder Färben erfordern zu Beginn keine komplexen Sprachkenntnisse. Dadurch werden Sprachbarrieren effektiv überwunden, da die Kommunikation über das gemeinsame Tun und das sichtbare Ergebnis erfolgt.

Dieser ästhetische Bildungsansatz ermöglicht es den Teilnehmenden, Selbstwirksamkeit zu erfahren. In der Arbeit mit den Pigmenten begegnen sich Menschen auf Augenhöhe. Oftmals bringen Geflüchtete oder Menschen mit Migrationsgeschichte traditionelles Wissen über Pflanzen und Färbetechniken aus ihren Herkunftsländern ein. Dieser Austausch wertet vorhandene Kompetenzen auf und fördert die soziale Teilhabe. Anstatt Defizite (wie mangelnde Sprachkenntnisse) zu thematisieren, stehen die kreative Ressource und das gemeinsame ökologische Interesse im Vordergrund. Die Arbeit in den Färbergärten schafft so einen geschützten Raum für interkulturelle Begegnung und gegenseitiges Lernen, der über rein theoretische Integrationskurse hinausgeht.

sevengardens Bochum: BNE und Integration als ausgezeichnete Praxismodelle

Das Projekt sevengardens Bochum hat sich als Referenzmodell für die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) etabliert. Im Januar 2024 wurde die Initiative mit der Nationalen Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung geehrt. Diese Auszeichnung, vergeben durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche UNESCO-Kommission, bestätigt, dass das Projekt die BNE-Standards in exzellenter Weise erfüllt. Es macht die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen – insbesondere hochwertige Bildung (Ziel 4) und weniger Ungleichheiten (Ziel 10) – lokal greifbar.

Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist die Einbindung in globale und regionale Strukturen. sevengardens Bochum ist Teil des RCE-Ruhr (Regional Centre of Expertise on Education for Sustainable Development), das durch die United Nations University anerkannt ist. Durch diese Vernetzung fließen wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die praktische Arbeit vor Ort ein. Der Erfolg des Projekts zeigt, dass ökologische Nachhaltigkeit und soziale Integration keine getrennten Handlungsfelder sind, sondern sich gegenseitig verstärken können. Die Auszeichnung dient zudem als Qualitätssiegel, das die Professionalität der pädagogischen Arbeit und die Wirksamkeit der eingesetzten Methoden unterstreicht.

Vom Wissenstransfer zur Vernetzung: Die Rolle der „Dialoger*innen“

Um eine breite gesellschaftliche Wirkung zu erzielen, setzt sevengardens Bochum auf ein systematisches Multiplikatoren-Modell. Zentrales Element ist die Ausbildung von sogenannten *Dialogerinnen. Bisher wurden über 200 Bürgerinnen und Bürger qualifiziert, die das Wissen über Färberpflanzen und die damit verbundene Philosophie der Nachhaltigkeit in ihre jeweiligen Lebens- und Arbeitsbereiche tragen. Diese Qualifizierung** richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Ehrenamtliche, Studierende und interessierte Privatpersonen.

Die Dialoger*innen fungieren als Brückenbauer in die Stadtgesellschaft. Sie initiieren eigene Projekte in Schulen, Kindertagesstätten, Seniorenheimen oder Stadtteilzentren. Damit der Wissenstransfer nicht abreißt, hat das Kommunale Integrationszentrum ein nachhaltiges Netzwerk etabliert. Ein vierteljährlich stattfindendes Netzwerktreffen bietet Raum für den fachlichen Austausch, die gemeinsame Planung von Aktionen und die Weiterentwicklung der Methoden. Diese Netzwerkbildung stellt sicher, dass sevengardens keine isolierte Initiative bleibt, sondern eine lebendige Bewegung ist, die durch das Engagement vieler Akteure getragen wird. Dieser dezentrale Ansatz garantiert eine hohe Reichweite und sorgt dafür, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Breite der Bochumer Bevölkerung ankommt.

Das Kommunale Integrationszentrum als Motor für strukturellen Wandel

Die organisatorische Steuerung des Projekts durch das Kommunale Integrationszentrum (KI) der Stadt Bochum ist ein entscheidender struktureller Vorteil. Das KI versteht Integration nicht als isolierte Maßnahme, sondern als kommunale Querschnittsaufgabe. Grundlage für die Arbeit ist unter anderem das Teilhabe- und Integrationsgesetz (TIntG) NRW, das die Kommunen darin unterstützt, die Rahmenbedingungen für ein gelingendes Zusammenleben zu verbessern. Durch die Anbindung an das KI ist sevengardens Bochum fest in die städtischen Strukturen integriert und profitiert von der Landförderung NRW.

Die Verknüpfung von „Integration durch Bildung“ mit ökologischen Themen zeigt eine moderne Ausrichtung der Integrationsarbeit. Es geht nicht mehr nur um Sprachförderung, sondern um die Schaffung echter Chancengleichheit und Teilhabemöglichkeiten an zukunftsrelevanten Themen. Das KI agiert hier als Moderator zwischen verschiedenen Fachbereichen der Verwaltung und der Zivilgesellschaft. Dieser interdisziplinäre Ansatz verdeutlicht, dass Bildung für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich sein muss, um sozialen Zusammenhalt langfristig zu sichern. Das Projekt dient somit auch als Blaupause für andere Kommunen, wie BNE-Konzepte zur Erreichung integrationspolitischer Ziele genutzt werden können.

Fazit: Ein Modell für die moderne Personal- und Integrationsarbeit

Das Projekt sevengardens Bochum belegt eindrucksvoll, dass handlungsorientierte Bildungsansätze einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Kohärenz leisten. Der Erfolg basiert auf der Kombination aus ökologischem Fachwissen, ästhetischer Praxis und einer starken strukturellen Einbindung. Für die moderne Personalarbeit und Betriebsräte ergeben sich daraus wichtige Erkenntnisse: Diversität kann dann produktiv genutzt werden, wenn gemeinsame Tätigkeitsfelder geschaffen werden, die über rein verbale Kommunikation hinausgehen.

Das Modell ist auf andere Kontexte übertragbar, etwa auf die betriebliche Integration oder die Quartiersentwicklung. Es fördert Kompetenzen, die in einer transformierenden Arbeitswelt essenziell sind: Verantwortungsbewusstsein für Ressourcen, interkulturelle Offenheit und die Fähigkeit zur Vernetzung. In einer Zeit, in der Unternehmen und Kommunen gleichermaßen vor der Herausforderung stehen, Nachhaltigkeit und Inklusion zu vereinen, bietet sevengardens Bochum ein praxisnahes und zukunftsfähiges Beispiel. Die Förderung solcher Projekte sichert nicht nur den Bildungserfolg, sondern stärkt das Fundament einer vielfältigen und demokratischen Gesellschaft.


Weiterführende Quellen

sevengardens Bochum | Stadt Bochum
https://www.bochum.de/Kommunales-Integrationszentrum/Dienstleistungen-und-Infos/sevengardens-Bochum
Diese Seite informiert über die Anerkennung des Projekts als BNE-Akteur und die Rolle des Kommunalen Integrationszentrums Bochum.

Bochum – sevengardens
https://sevengardens.eu/2024/09/07/sevengardens-bochum/
Der Beitrag beschreibt die Qualifizierung von über 200 Dialoger*innen und die Entstehung des vierteljährlich stattfindenden Netzwerks in Bochum.

sevengardens Bochum (Kommunales Integrationszentrum Bochum)
https://www.bne.nrw/nrw/gemeinsam/akteurinnen-akteure/details/sevengardens-bochum-kommunales-integrationszentrum-bochum/
Diese Quelle erläutert die Schwerpunkte des KI Bochum in den Bereichen „Integration durch Bildung“ und die Verknüpfung mit BNE.